Allgemeine Einführung

L-Tryptophan ist eine aromatische α-Aminosäure, welche an der Synthese von Proteinen beteiligt ist und nicht vom menschlichen Körper gebildet werden kann. Aus diesem Grund muss Tryptophan in ausreichendem Maße aus der Nahrung aufgenommen werden, wozu sich vor allem eiweißreiche Produkte eignen. Ein Erwachsener sollte pro Tag rund 5 mg L-Tryptophan pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen, wobei es große Unterschiede zwischen verschiedenen Personen geben kann (siehe auch 1phenylalanine. In: Am. J. Clin. Nutr. 68(2); Aug 1998″]).

Im Allgemeinen ist die essentielle Aminosäure vor allem als stimmungsaufhellend und natürliches Antidepressivum bekannt, was auf ihrer Umwandlungsfähigkeit zu Serotonin beruht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten weist sie jedoch keinerlei Nebenwirkungen auf und ist zudem sehr gut verträglich. Auch milde Schlaf- und Beruhigungsmittel auf Basis von L-Tryptophan sind in Deutschland rezeptfrei erhältlich, wobei sie zusätzlich den großen Vorteil besitzen, keine Abhängigkeiten hervorzurufen. Da der wirkungsvolle Vitalstoff zudem für die Bildung von Vitamin B3 (Niacin) benötigt wird, ist er indirekt auch an der Energiegewinnung des Körpers beteiligt. Niacin erfüllt dabei wesentliche Funktionen im Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten und versorgt Muskeln und Gehirn mit ausreichend Energie.

Nahrungsmittel mit viel Tryptophan

Da es zwischen verschiedenen Personen große Unterschiede im tatsächlichen Mindestbedarf von L-Tryptophan geben kann, sollte stets auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden, da es im Gegenteil nie zu einer Überdosierung kommen kann, denn die Aminosäure reguliert ihren Abbau über verschieden Umwandlungsprozesse selbst. Aus diesem Grund ist es auch gefahrlos möglich, spezielle Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen, womit eine Mangelversorgung sicher vermieden werden kann. Diese kann sich in einem übermäßigen Appetit mit anschließender Gewichtszunahme und im schlimmsten Fall in Depressionen bis hin zum Suizid äußern, weshalb es unbedingt ratsam ist, stets genügend Tryptophan aufzunehmen. Auch eine schlechte Wundheilung oder eine arterielle Hypertonie können auf eine Unterversorgung mit dem Vitalstoff hindeuten.

Um dieser entgegenzuwirken, eignen sich vor allem Sojabohnen (etwa 590 mg pro 100 g) und ungesüßtes Kakaopulver (ca. 290 mg je 100 g), doch auch tierische Produkte wie Hähnchenbrustfilet (ungefähr 270 mg je 100 g) und Hühnereier (ca. 165 mg je 100 g) können zur Deckung des täglichen Bedarfs herangezogen werden. Da L-Tryptophan relativ schlecht wasserlöslich ist, bleibt während des Waschens und Kochens der größte Anteil in der Nahrung erhalten und kann anschließend vom Körper verwertet werden. Vor allem Personen mit Resorptionsstörungen der Verdauungsorgane müssen daher meist Supplemente einnehmen, da ihr Körper das in Lebensmitteln enthaltende Tryptophan nur schwer aufnehmen und weiterverarbeiten kann. Auch äußere Umstände wie Stress oder bestehende Infektionen können sich negativ auf die Versorgung mit der essentiellen Aminosäure auswirken, sodass in vielen Fällen bestimmte Nahrungsergänzungsmittel nutzbringend sind.

Funktionen von Tryptophan

Tryptophan erfüllt im menschlichen Körper viele verschieden Funktionen und ermöglicht damit zahlreiche lebensnotwendige Prozesse und Reaktionen.

Vor allem die Umwandlung von L-Tryptophan in den Neurotransmitter Serotonin ist dabei erwähnenswert, da dieser nicht nur die Stimmungslage beeinflusst, sondern auch Auswirkungen auf Schlaf und Blutdruck hat. Unter anderem fördert Tryptophan somit das Einschlafen und ermöglicht einen gesunden und erholsamen Schlaf ohne Unterbrechungen. Des Weiteren wirkt es appetithemmend und reguliert auf diesem Weg das Gleichgewicht zwischen Nahrungsaufnahme und Sättigung, sodass es nicht zu einem unkontrollierten Essverhalten mit begleitender Gewichtszunahme kommen kann. Die wohl bekannteste Aufgabe von Serotonin ist außerdem die Aufhellung der Stimmung, wodurch Niedergeschlagenheit bzw. Depressionen vermieden werden können. Auch die Funktionen des Herz-Kreislauf-Systems werden von dem vielfältigen Neurotransmitter beeinflusst, was sich beispielsweise in einer Dehnung der Blutgefäße der Muskulatur äußert. Nicht zu vergessen ist auch die positive Wirkung von Tryptophan bzw. Serotonin auf die Wundheilung, welche bei einem ausreichenden Vorhandensein schneller abläuft, da unter anderem eine zügigere Blutgerinnung möglich ist.

Ein weiteres wichtiges Einsatzfeld von L-Tryptophan ist der Aufbau lebensnotwendiger Struktureiweiße, die an der Bildung von Bindegewebe und anderer Zellverbände beteiligt sind. Weiterhin unterstützt die Aminosäure die Generierung von Enzymen, welche auch als Biokatalysatoren bekannt sind. Sie ermöglichen zahlreiche chemische Reaktionen im Körper, welche ansonsten so viel Energie benötigen würden, dass sie schlichtweg unmöglich wären. Auch die Synthese von Vitamin B3 kann nur bei einem gleichzeitigen Vorhandensein von L-Tryptophan erfolgen, sodass dieses indirekt auch an der Neubildung von Haut und Haaren beteiligt ist, welche nur mit Hilfe von Niacin abläuft.

Tryptophan im Einsatz gegen Krankheiten

L-Tryptophan ist mittlerweile nicht mehr aus der orthomolekularen Medizin wegzudenken und konnte in der Vergangenheit bereits mehrfach sein großes präventives und therapeutisches Potential beweisen. Es wurden unter anderem Studien zur Wirkung der Aminosäure gegen Depressionen durchgeführt, welche den Nutzen einer geeigneten Supplementierung eindrucksvoll belegen. Vor allem Tumorpatienten weisen oftmals sehr niedrige Tryptophanspiegel auf, da im Zuge einer Chemotherapie Enzyme im Körper entstehen können, die die Aminosäure vermehrt abbauen, wodurch es im Endeffekt zu einer Ausbildung von Depressionen kommen kann. Diese wirken sich besonders während einer Krebserkrankung sehr negativ auf den Heilungsprozess aus, da für eine Genese auch die psychische Verfassung der Patienten eine Rolle spielt. Im Umkehrschluss ist es daher bei vielen Tumorerkrankungen notwendig, die Betroffenen mit tryptophanhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln zu versorgen, damit eine ausreichende Serotoninsynthese möglich ist (siehe auch 2). Ähnliche Effekte zeigen sich bei bestehenden koronaren Herzerkrankungen, welche ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Depressionen verbunden sind und daher vorbeugend mit Supplementen behandelt werden sollten, wie in 3 beschrieben ist.

Nicht zuletzt kann sich eine zusätzliche Gabe von Tryptophan positiv auf das sogenannte Reizdarmsyndrom auswirken, welches mit entzündlichen Reaktionen einhergeht und durch einen gut regulierten Serotoninstoffwechsel abgemildert werden kann (siehe auch 4).

Fazit

Die essentielle Aminosäure Tryptophan wird im menschlichen Körper vor allem für die Serotoninsynthese benötigt und hat somit einen maßgeblichen Einfluss auf die Stimmungslage. Kommt es infolge einer Unterversorgung zu einem Mangel, können Depressionen und Verdauungsprobleme die Folge sein. Da Tryptophan außerdem an der Synthese vieler Proteine beteiligt ist, sorgt es für ein gut ausgebildetes Bindegewebe und begünstigt gleichzeitig die natürliche Wundheilung. In vielen Fällen kann es erforderlich sein, zusätzlich zur täglichen Nahrungsaufnahme spezielle Supplemente einzunehmen, wobei eine Überdosierung von L-Tryptophan faktisch nicht möglich ist.

  1. “G. Lazaris-Brunner, M. Rafii, R. O. Ball, P. B. Pencharz: Tryptophan requirement in young adult women as determined by indicator amino acid oxidation with L-[13C
  2. “Kurz K et al.: Association between increased tryptophan degradation and depression in cancer patients; Curr Opin Clin Nutr. Metab Care, 2010 Oct 30”
  3. “Swardfager W et al.: Indoleamine 2,3-dioxygenase aktivation and depressive symptoms in patients with coronary artery disease; Psychoneuroendocrinology; 2009 Jun 18”
  4. “Fitzgerald P et al.: Tryptophan catabolism in females with irritable bowel syndrome: relationship to interferon-gamma, severity of symptoms and psychiatric co-morbidity; Neurogastroenterol Motil 2008 Sep 17”