Das Blutgefäßsystem des Menschen umfasst Arterien und Venen. Arterien versorgen den Organismus mit Sauerstoff und wichtigen Stoffwechselprodukten. Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen.

Mit zunehmendem Alter werden die Gefäße jedoch steifer und es sammeln sich Ablagerungen in den Gefäßwänden. Diese können zu Gefäßverengungen führen, die Durchblutungsstörungen zur Folge haben.

Aminosäuren können dabei helfen, die Durchblutung zu verbessern, die Gefäße zu kräftigen und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Bekannt hierfür ist vor allem Arginin, das unter anderem bei Hypotonie und Impotenz empfohlen wird.

Durchblutungsstörungen – ein häufig unterschätztes Problem

Durchblutungsstörungen betreffen nicht nur die ältere Generation. Sie können bei Menschen aller Altersgruppen auftreten.

Insbesondere eine ungesunde Lebensweise – zu fettes Essen, zu wenig Bewegung und Rauchen – lässt das Risiko ansteigen. Führen verengte oder verstopfte Arterien dazu, dass das Blut im Körper nicht mehr frei zirkuliert, erhalten Organe und Gewebe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und können Schaden nehmen.

Eine Störung des Blutdurchflusses kann an vielen Stellen im Körper auftreten. Prädestiniert dafür sind vor allem kleine Gefäße, die vergleichsweise leicht verstopfen.

Häufig involviert sind beispielsweise die Extremitäten. Die Betroffenen leiden unter ständig kalten Händen und Füßen oder Wadenkrämpfen.

Durchblutungsstörungen können aber auch im Bereich des Herzens oder im Gehirn vorkommen und dort gravierende Folgen wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall nach sich ziehen.

Da sich Durchblutungsstörungen anfangs nur in leichten Symptomen wie kribbelnden Fingerspitzen oder Zehen bemerkbar machen, werden sie häufig unterschätzt. Dabei stehen die Gefäßerkrankungen, die sich aus ihnen entwickeln können, an erster Stelle der Todesursachen, noch vor den Krebserkrankungen.

Mikronährstoffe als Ergänzung bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen

Neben Medikamenten wie Blutgerinnungshemmern und einer gesunden Lebensweise können Mikronährstoffe bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen helfen. Dazu zählen neben Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen auch Aminosäuren.

Diese können nicht nur das Fortschreiten von Durchblutungsstörungen verhindern, sondern diesen auch vorbeugen. Gleichzeitig bekämpfen sie mögliche Risikofaktoren wie einen zu hohen Blutdruck und zu hohes Cholesterin und minimieren so Gefäßschäden an der innersten Gefäßwand.

Aminosäuren – Bausteine des Lebens

Aminosäuren sind Carbonsäuren mit einer oder mehreren Aminogruppen. Sie sind die Grundbausteine der Proteine und erfüllen im menschlichen Organismus wichtige Aufgaben.

Unterschieden werden essentielle, semi-essentielle und nicht-essentielle Aminosäuren. Letztere müssen über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht herstellen kann. Semi-essentielle Aminosäuren kann der Körper zwar selbst produzieren, jedoch nicht in dem Maße, dass die Menge in jeder Situation ausreicht.

Es existieren 20 verschiedene Aminosäuren, die Bausteine der körpereigenen Proteine sind. Diese werden auch als proteinogene Aminosäuren bezeichnet.

Die weitaus größere Anzahl, mehr als 250 Arten, kommt nicht in Eiweißen vor. Daher werden sie unter dem Begriff nicht-proteinogene Aminosäuren zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise der bakterielle Zellbaustoff Glutamat und das Schilddrüsenhormon Thyroxin.

Aminosäuren haben im Körper unterschiedlichste Funktionen. Deshalb kann sich ein Aminosäure-Mangel auf vielfältige Weise bemerkbar machen. Da die Defizite in aller Regel schleichend auftreten, werden sie häufig nicht als Protein-Unterversorgung identifiziert.

Zu den wichtigsten Mängel-Symptomen zählen:

  • Durchblutungsstörungen,

  • Bluthochdruck,

  • Haut- und Haarveränderungen,

  • Antriebslosigkeit,

  • verminderte körperlichen Leistungsfähigkeit,

  • ein geschwächtes Immunsystem,

  • eine veränderte Gemütslage und,

  • die Zunahme des Körpergewichts.

Eine im Jahr 2017 durchgeführte Studie zeigt, dass viele Patienten mit erektiler Dysfunktion, also Impotenz, einen niedrigen Arginin-Spiegel aufweisen 1. Eine durch die Einnahme der Aminosäure L-Arginin verbesserte Durchblutung sorgt dafür, dass Sauerstoff und Nährstoffe schneller zu den Organen gelangen. Das kann sich positiv auf die Potenz auswirken.

L-Arginin – essentiell für die Gefäßgesundheit

Bei L-Arginin handelt es sich um eine stickstoffreiche Aminosäure, die der Körper selbst bilden kann.

Entdeckt wurde die Substanz 1886 durch den deutschen Chemiker Ernst Schulze und seinen Doktoranden Ernst Steiger. Acht Jahre später gelang es dem schwedischen Chemiker Sven Gustav Hedin, Arginin aus tierischem Material zu isolieren.

Da die vom Körper produzierte Menge in bestimmten Situationen nicht ausreicht, gehört L-Arginin zu den semi-essentiellen (bedingt entbehrlichen) Aminosäuren und muss somit teilweise über die Nahrung aufgenommen werden.

Als Ausgangsstoff für die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) ist die Substanz von großer Bedeutung für die Gefäßgesundheit. Überdies hat die Aminosäure einen positiven Einfluss auf das Immunsystem, wirkt regulierend auf den Blutfett- und Zuckerspiegel und ist relevant für die Ausschüttung von Wachstumshormonen.

Bedeutende Arginin-Lieferanten sind vor allem Kerne, Nüsse und Keime, aber auch Garnelen, Rind- und Hühnerfleisch, Tunfisch und Eier. Über eine ausgewogene Mischkost werden täglich schätzungsweise 5 bis 6 Gramm der Aminosäure aufgenommen.

Inwiefern L-Arginin-haltige Nahrungsergänzungsmittel therapeutisch sinnvoll sind, wird zur Zeit intensiv erforscht. Zwar konnten bereits Wirkungen nachgewiesen werden, allerdings zeigte sich auch, dass hierbei häufig die Begleitumstände eine Rolle spielen. Eine klare Dosierungsempfehlung für die ergänzende Einnahme von L-Arginin gibt es bislang nicht.

L-Arginin bei Hypotonie

Von allen Krankheiten werden in Deutschland am häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen diagnostiziert. Jährlich benötigen rund drei Millionen Menschen deswegen eine stationäre Behandlung.

Den Spitzenplatz belegt die essentielle (primäre) Hypertonie, ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, für den es keine erkennbare Ursache gibt.

Entscheidend für die Gesundheit der Blutgefäße und damit auch für die Regulation des Blutdrucks ist der Botenstoff Stickstoffmonoxid. Bereits in den 1980er Jahren gelang der Nachweis, dass NO vom Endothel, der inneren Schicht der Gefäßwand, selbst produziert wird, wenn ausreichend L-Arginin verfügbar ist. Neben der Gefäßerweiterung erfüllt Stickstoffmonoxid weitere wichtige Funktionen. Es hemmt:

  • die Thrombozytenaggregation (Verklumpen der Blutplättchen),

  • die Monozyten-Adhäsion,

  • das übermäßige Wachstum glatter Muskelzellen,

  • die Bildung von O2-Radikalen und

  • die Oxidation von Fetten.

Da die Menge des vom Körper gebildeten Stickstoffmonoxids vor allem vom L-Arginin-Spiegel abhängt, ist eine ausreichende Zufuhr der Aminosäure unverzichtbar. Wie einige Studien zeigen, kann eine gezielte Gabe von Arginin die Stickstoffmonoxid-Synthese verstärken.

Darüber hinaus erbrachten klinische Forschungen, dass die Einnahme der Aminosäure die Gefäßfunktion von Patienten mit Bluthochdruck signifikant verbessert. Hieraus ließ sich schlussfolgern, dass sich durch den Verzehr von L-Arginin gefäßschützende Effekte erzielen lassen.

Die ohnehin schon umfangreiche Studienlage wurde im Jahr 2016 durch eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit insgesamt 81 Probanden erweitert, die entweder ein Placebo oder eine Nährstoffkombination aus L-Arginin, den Vitaminen B6 und B12 sowie Folsäure erhielten.

Die Auswertung ergab hinsichtlich der Verbesserung der Gefäßfunktion eine deutliche Überlegenheit der L-Arginin/Vitamin-B-Kombination gegenüber dem Placebo 2.

L-Arginin und seine Wirkung bei Potenzstörungen

Mit steigendem Lebensalter nehmen Potenzprobleme bei Männern zu. Ursachen hierfür können sowohl psychischer als auch physischer Natur sein.

Oft stecken Erkrankungen wie ein Diabetes oder Durchblutungsstörungen durch Gefäßverkalkung dahinter. Neben Maßnahmen wie Vermeidung von Übergewicht, regelmäßiger körperlicher Bewegung, dem Verzicht auf Nikotin und Alkohol und einer Normalisierung von Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinwerten kann auch die Einnahme von L-Arginin gegen die Impotenz helfen.

Die Aminosäure zählt zu den bekanntesten „natürlichen Potenzmitteln“. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie sich positiv auf das Gefäßsystem im gesamten Körper auswirkt, woraus sich auch eine Verbesserung der Gefäße am Penis ergibt.

Hierdurch gelangt bei sexueller Erregung mehr Blut in die Schwellkörper. Allerdings ist zu beachten, dass L-Arginin kein Mittel für den Einsatz bei Bedarf ist, sondern regelmäßig eingenommen werden muss.

Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, kann die Kombination mit verschiedenen Wirkstoffen die Wirkung der Aminosäure verbessern. Beispielsweise verstärkt Citrullin den Effekt von L-Arginin.

Das gilt auch für die Kombination mit Pinienrindenextrakt. Eine im Jahr 2003 durchgeführte Studie erbrachte, dass Männer, die diese Verbindung einnahmen, nach drei Monaten wieder eine normale Erektion bekamen, ohne dass dabei Nebenwirkungen auftraten 3. Zum gleichen Ergebnis kam eine Studie aus dem Jahr 2015 4.

Pinienrindenextrakt führt zur erhöhten Ausschüttung der NO-Synthase (NOS), dem Enzym, das die Bildung von Stickstoffmonoxid aus L-Arginin in Gang setzt, und verbessert damit die Wirksamkeit der Aminosäure.

Quellen

  1. Barassi A, Corsi Romanelli MM, Pezzilli R, Damele CAL, Vaccalluzzo L,  Goi G, Papini N, Colpi GM, Massaccesi L, Melzi d’Eril GV. Levels of l‐arginine and l‐citrulline in patients with erectile dysfunction of different etiology. Andrology. 2017. 5(2): 256-261.
  2. Einfluss von L-Arginin auf die Gefäßgesundheit. Pharmazeutische Zeitung. 2017.
  3. Stanislavov R, Nikolova V. Treatment of erectile dysfunction with pycnogenol and L-arginine. Journal of Sex and Marital Therapy. 2003. 29(3): 207-213.
  4. Kobori Y, Suzuki K, Iwahata T, Shin T, Sadaoka Y, Sato R, Nishio K, Yagi H, Arai G, Soh S, Okada H, Strong JM, Rohdewald P. Improvement of seminal quality and sexual function of men with oligoasthenoteratozoospermia syndrome following supplementation with L-arginine and Pycnogenol®. Arch Ital Urol Androl. 2015. 87(3): 190-3.