Die Aminosäure Alanin

Alanin ist eine nicht-essenzielle Aminosäure, die in zwei spiegelbildlichen Formen, dem L-Alanin und dem D-Alanin, vorkommt. Beim L-Alanin handelt es sich um ein Proteinogen, das neben Glutamin zu den wichtigsten Stoffen für den Aminosäurestoffwechsel des Blutes zählt.

D-Alanin tritt als Baustein von Murein, der Grundsubstanz von Bakterienzellwänden, in Erscheinung. Darüber hinaus gibt es das nicht-proteinogene β-Alanin. Taucht der Begriff in der allgemeinen wissenschaftlichen Literatur ohne Präfix auf, ist die Rede von L-Alanin.

So wirkt Alanin im Körper

Energieversorgung

L-Alanin ist ein wichtiger Energielieferant. Im Stoffwechsel wird die Aminosäure durch Transaminierung aus Pyruvat, dem Endprodukt der Glykolyse (Glukoseabbau) synthetisiert. Bei Bedarf kann der Körper diesen Prozess aber auch umkehren.

Benötigt er rasch Energie, stellt er aus L-Analin wieder Pyruvat her, das er für die Glukose-Synthese einsetzen kann. Vor allem bei höherer körperlicher Belastung kann der Organismus mit dem Abbau von L-Alanin einem Glukosemangel erfolgreich entgegenwirken.

Erhöht wird der Wirkungsgrad bei einem Energiemangel dadurch, dass L-Alanin die Ausscheidung von Glukagon anregt. Als Gegenspieler zum Insulin fördert Glukagon die Herstellung von Glukose aus Aminosäuren (Glukoneogenese).

Proteinsynthese

Viele Proteine im Körper benötigen L-Alanin für ihren fehlerlosen Aufbau und die damit verbundene korrekte Funktionalität. Darüber hinaus ist die Aminosäure wichtig für den Muskelaufbau. Die dafür erforderlichen Proteine bestehen zu rund sechs Prozent aus L-Alanin.

Prostata

Wie Untersuchungen zeigen, kann L-Alanin, das in der Prostataflüssigkeit in hohen Konzentrationen zu finden ist, womöglich eine krankhafte Vergrößerung der Vorsteherdrüse verhindern. Patienten, die unter einer Prostatahyperplasie litten, konnten durch Aufnahme von L-Alanin in Verbindung mit Glutaminsäure und Glycin ihre Symptome (häufiges und schmerzhaftes Wasserlassen) lindern.

Die genaue Wirkungsweise ist bislang nicht erforscht. Es könnte jedoch sein, dass L-Alanin das Abschwellen des Drüsengewebes bewirkt.

Anwendungsmöglichkeiten für Alanin

Die Aminosäure kann zur Behandlung verschiedener Erkrankungen, aber auch zur Unterstützung der körperlichen Funktionen zur Anwendung kommen. Aufgrund ihrer wichtige Rolle bei der Glukoneogenese werden L-Alanin-Supplemente unter anderem bei Diabetes mellitus eingesetzt.

 

Regulierung des Blutzuckerspiegels

Indem es den Glukosespiegel erhöht, kann L-Alanin dazu beitragen, einen zu niedrigen Blutzuckerwert auszugleichen und damit einen Zuckerschock (Hypoglykämie) zu verhindern. Sinkt beispielsweise bei längerem, intensivem Ausdauersport der Blutzuckerspiegel ab und kann sich nicht aus den Kohlenhydraten der letzten Nahrungsaufnahme regenerieren, baut der Körper Muskelgewebe ab und bringt L-Alanin in die Leber, wo es zu Glukose verarbeitet wird.

Die Aminosäure beeinflusst außerdem die Sensitivität der Körperzellen für Insulin. Bei Diabetikern sorgt eine Insulinresistenz dafür, dass die Zellen die Glukose aus dem Blut nur unzulänglich aufnehmen. L-Alanin erhöht die Insulinempfindlichkeit um durchschnittlich 30 Prozent. Dadurch wird die Energieversorgung der körpereigenen Zellen verbessert.

Energiebereitstellung und Muskelaufbau

Im Sportbereich findet vor allem β-Alanin Verwendung. Bei diesem befindet sich die Aminogruppe im Unterschied zum L-Alanin nicht am ersten, sondern am zweiten Kohlenstoffatom nach der Carboxygruppe. Das führt dazu, dass β-Alanin in erster Linie für die Carnosin-Synthese zum Einsatz kommt.

Dieses Dipeptid findet sich in höheren Konzentrationen in den schnellen Muskelfasern und im Hirngewebe. Seine Hauptfunktion besteht darin, Säuren abzupuffern. Dadurch kann es eine höhere körperliche Leistungsfähigkeit bewirken und Erschöpfungssymptome verringern.

Sowohl β-Alanin als auch Carnosin kommen als Nahrungsergänzungsmittel zur Anwendung. Beide Substanzen erhöhen die maximale Sauerstoffaufnahme und führen zu einer Steigerung der muskulären Kraft.

Symptome eines Alanin-Mangels

Viel Stress, emotionale Belastungen und Schlafmangel können zu einem erhöhten Alanin-Bedarf führen. Darüber hinaus steigt der Grundumsatz bei langanhaltender hoher physischer Belastung, etwa durch harte körperliche Arbeit oder Leistungssport. Ein Alanin-Mangel tritt indes nur selten auf. Betroffen sind in erster Linie Personen, die unter Mangelernährung, Anorexie oder Magersucht leiden oder einseitige Diäten halten.

Die mit einem Mangel verbundenen Symptome treten meist schleichend in Erscheinung. Zunächst macht sich die Minderversorgung durch ein allgemeines Schwächegefühl bemerkbar, später durch Schwächeanfälle und fehlenden Muskelaufbau bis hin zum langsamen Muskelabbau. Hinzukommen können Stimmungsschwankungen, Veränderungen an der Haut und den Haaren sowie eine verringerte geistige Leistungsfähigkeit.

Dosierung und Überdosierung

Die Erhöhung des Alaninspiegels im Blut kann sich durch ein leichtes Kribbeln äußern. Auch Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Schweißausbrüche können auftreten. Eine Überdosierung alleine über die Ernährung ist kaum möglich.

Meist treten die genannten Symptome bei einer zu hohen Einzeldosis an Nahrungsergänzungsmitteln auf. Da die Aminosäure zügig wieder über die Nieren ausgeschieden wird, verschwinden die Nebenwirkungen in aller Regel nach 60 bis 90 Minuten von allein. Anderenfalls empfiehlt es sich, vorsichtshalber einen Arzt hinzuzuziehen.