Muskelschwund (Sarkopenie) ist Hauptursache für körperliche Behinderungen im Alter – und dabei oft vermeidbar. Neben regelmäßiger Bewegung ist die Einnahme aminosäurereicher Lebensmittel besonders wichtig für den Erhalt der Muskeln.

Insbesondere Erkrankungen, deren Entwicklung sich über einen sehr langen, manchmal Jahrzehnte andauernden Zeitraum erstreckt, werden häufig gar nicht als solche wahrgenommen. Oft werden diese Gebrechen als normale Begleiterscheinungen des Alterns aufgefasst, die sich bei dem einen stärker und beim anderen schwächer ausgeprägt zeigen. Muskelschwund gehört zu diesen Krankheiten. Bewegungsarmut und Fehlernährung führen tatsächlich über einen sehr langfristigen Prozess dazu, dass rund 40 Prozent der Bundesbürger im Alter von 75 Jahren oder darüber eine körperliche Behinderung davontragen, die bewirkt, dass sie ihre Mobilität nicht mehr ohne technische Hilfsmittel, schlimmstenfalls ist es der Rollstuhl, aufrecht erhalten können. Ein Abbau der Muskelmasse etwa ab dem 50sten Lebensjahr lässt sich zwar nicht vermeiden, aber zu einer krankhaften, Sarkopenie genannten Entwicklung muss es in den allermeisten Fällen nicht kommen.

Aminosäuren werden von vielen älteren Menschen nicht in ausreichendem Maß zugeführt

Wichtig ist dies auch deswegen, da der Muskelschwund bei einer Sarkopenie nur eines von vielen Gesundheitsrisiken darstellt. Oft gravierender sind die Folgen von Stürzen aufgrund des geschwächten Muskelgewebes. Herausgestellt werden muss zudem, dass veränderte Ernährungsgewohnheiten gerade bei älteren Menschen den Krankheitsverlauf dramatisch beschleunigen können. Seit langem ist bekannt, dass eine gute Versorgung mit Aminosäuren, insbesondere den “Branched Chain Amino Acids” (BCAA) genannten verzweigtkettigen Aminosäuren Isoleucin, Valin und Leucin, neben einem adäquaten Krafttraining die Entstehung einer Sarkopenie verhindern können. Viele Menschen nehmen mit steigendem Alter jedoch immer weniger Nährstoffe auf, was eine Mangelversorgung zur Folge hat. In einer laufenden Untersuchung, die derzeit an der Universität von Texas, USA, stattfindet, wird unter anderem auch dieser Tatsache Rechnung getragen.

Kombination aus Aminosäuren und Kohlenhydraten hilft gegen Muskelschwund – Wissenschaftler bezweifeln jedoch Praxistauglichkeit

So versorgten die Wissenschaftler in einer bereits abgeschlossenen Kohorte ihrer Studienreihe insgesamt 13 Probanden mit einer hochpotenten Kombination aus verschiedenen Aminosäuren und Kohlenhydraten oder einem Placebo. Über den Einnahmezeitraum von 28 Tagen wurde den gesunden Teilnehmern eine Bettruhe verordnet. Aufgrund der Untätigkeit kam es natürlich zu einem deutlichen Muskelabbau.

Bei den Teilnehmern jedoch, denen die Aminosäuren und Kohlenhydrate zugeführt wurden, lag der Abbau an Muskelmasse um rund 50 Prozent unter dem, der bei den Probanden in der Placebo-Gruppe festgestellt wurde. Ganz glücklich wurden die US-amerikanischen Wissenschaftler mit diesem Ergebnis dennoch nicht. Sie gaben zu bedenken, dass hier vollständig gesunde Personen teilnahmen. Bei tatsächlich bettlägerigen, älteren Menschen bezweifelten sie, ob diese dazu in der Lage oder willens wären, den übriges sehr unangenehm schmeckenden Cocktail dauerhaft einzunehmen, was darüber hinaus auch aus Kostengründen für viele nicht infrage kommen könnte (1) (2).

Drei mal drei Gramm Leucin täglich zeigen signifikante Wirkung und sind auch bei Ess-Störungen einnehmbar

Leucin in NahrungsmittelnAlso entschieden sich die Forscher für den folgenden Studienabschnitt zu einer Minimaldosierung. Mit einer neuen Teilnehmergruppe, im mittleren bis höheren Alter, legten sie die Einnahmemenge während einer zehntägigen Ruhephase im Bett auf nur drei Gramm Leucin fest, die jeweils täglich zu den drei Hauptmahlzeiten eingenommen wurden.

Hierbei handelt es sich um eine Menge, die über die Nahrung auch von Menschen mit Appetitstörungen verzehrt werden kann. Eine kleine Portion Hülsenfrüchte, etwas Hähnchenbrustfilet, einige Nüsse und Vollkornprodukte reichen schon, um diese Ration einzunehmen. Für Leucin entschieden sich die Wissenschaftler, da es eine ganz besondere Stellung unter den Aminosäuren innehat.

Leucin löst die Aktivierung jeglicher Proteinsynthesewege, die mit dem Muskelaufbau verbunden sind, aus. Es wirkt also quasi als Initialzündung bei der Muskelbildung. Die ersten, bis zur Vorlage des Abschlussberichtes vorläufigen Ergebnisse bestätigen die Wirkung des geringdosierten Leucin.

Der Abbau von Muskelmasse während der zehntägigen Periode im Bett fiel nur unwesentlich höher aus als bei der Einnahme der zuvor verwendeten Aminosäuren-Kohlenhydrat-Kombination. Bei der geringen Menge ist jedoch eine Einnahmeverweigerung wegen Übersättigung nicht zu erwarten. Die Vergabe kann also auch langfristig durchgeführt werden.

Studien:

(1) Paddon-Jones, Douglas, et al., “Dietary protein recommendations and the prevention of sarcopenia – Protein, amino acid metabolism and therapy”, Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2009 January, 12(1), 86-90.
(2) Paddon-Jones, Douglas, et al., “Leucine supplementation chronically improves muscle protein synthesis in older adults consuming the RDA for protein”, Clinical Nutrition, 2012 Aug, 31(4), 512-9.