Vitamin D3 ist wichtig für eine gesunde Ernährung

Die Rolle von Iod in unserer Ernährung

Iod, früher auch Jod geschrieben, ist ein essentielles Spurenelement, auf das sämtliche Organsysteme des Menschen, vor allem das Nervensystem, angewiesen sind. Bei einem Iodmangel drohen ernsthafte gesundheitliche Folgen.

Unter anderem kann sich die Unterversorgung an Iod durch eine Vergrößerung der Schilddrüse bemerkbar machen. Noch Ende der 1990er Jahre führte diese sogenannte Kropfbildung zu rund 100.000 Schilddrüsen-Operationen jährlich.

Nach wie vor gilt Deutschland als Iodmangelgebiet. Das bedeutet, dass das Trinkwasser und natürlich angebaute Nahrungsmittel zu wenig Iod enthalten.

Das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) geht davon aus, dass noch heute die Iodzufuhr bei circa 30 Prozent der Erwachsenen unterhalb des geschätzten durchschnittlichen Bedarfs liegt.

Dabei wäre das Problem relativ einfach zu lösen: durch den regelmäßigen Verzehr von Seefisch und Meeresfrüchten, die Verwendung von Jodsalz und eine bedarfsgerechte Nahrungsergänzung.

Wie wirkt Iod im Körper?

Das meiste Iod verbraucht der Körper für die Schilddrüse. Als wichtiger Bestandteil von Schilddrüsenhormonen wie Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) trägt es entscheidend zur normalen Schilddrüsenfunktion bei.

Die Hormone beeinflussen zudem die Entwicklung des Gehirns und der Knochen, den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen, sowie die basale Stoffwechselrate (Gesamtumsatz des menschlichen Organismus). Bei einer Schilddrüsenüberfunktion erhöht sich dieser Grundumsatz, während er sich bei einer Unterfunktion verringert.

Darüber hinaus spielt Iod eine Rolle für:

  • die kognitiven Fähigkeiten,

  • die Nervenfunktion und

  • die Erhaltung der Haut.

Iod bei atomaren Reaktorunfällen

Bei atomaren Unfällen wird unter anderem radioaktives Iod freigesetzt. Da der menschliche Körper nicht zwischen diesem und normalem Iod unterscheiden kann, nimmt er auch die radioaktive Variante in die Schilddrüse auf.

Dort kann sie schwere Zellschäden bis hin zu Schilddrüsenkrebs verursachen. Durch die rechtzeitige Einnahme von stabilem Iod kann die Aufnahme von radioaktivem Iod blockiert oder zumindest verringert werden.

Aus diesem Grund halten die Behörden für mögliche Reaktorunfalle große Reserven an Iodtabletten für die Bevölkerung vor.

Wie hoch ist der tägliche Iodbedarf?

Der Bedarf an Iod ist bei jedem Menschen individuell unterschiedlich, da er von verschiedenen Faktoren wie dem Alter und dem Gesundheitszustand abhängt. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene 180 bis 200 Mikrogramm täglich. Schwangere sollten pro Tag 230 Mikrogramm Iod zu sich nehmen, Stillende 260 Mikrogramm.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt den Bedarf etwas niedriger an. Nach ihren Angaben benötigen Jugendliche und Erwachsene 150 Milligramm Iod pro Tag. Für Schwangere und Stillende werden jeweils 200 Mikrogramm empfohlen.

Der höhere Iodbedarf von Schwangeren hat zwei Gründe: Einerseits steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen bei der werdenden Mutter aufgrund erhöhter Stoffwechselvorgänge um bis zu 50 Prozent.

Andererseits ist das Baby von der Iodversorgung der Mutter abhängig, da seine Schilddrüse bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche mit der Hormonproduktion beginnt. Allein über die normale Ernährung lässt sich eine ausreichende Iodversorgung in der Schwangerschaft nicht gewährleisten. Daher raten Wissenschaftler zur Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Spurenelement.

Wie entsteht ein Iodmangel und was bewirkt er?

Der Körper kann Iod nicht selbst produzieren und ist auf eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Daher kann schon der überwiegende Verzehr von Nahrungsmitteln mit geringem Iodgehalt Ursache eines Iodmangels sein. Weitere mögliche Gründe sind:

  • Schwangerschaft,

  • Stillzeit,

  • hohe sportliche Leistung,

  • vegetarische oder vegane Ernährung 1 sowie

  • Iodverwertungsstörungen.

Schätzungen der WHO zufolge sind weltweit zwischen 750 Millionen und einer Milliarde Menschen von einem Iodmangel betroffen, mehr als 380 Millionen davon in West- und Zentraleuropa. Das liegt daran, dass die landwirtschaftlich genutzten Böden in diesen Regionen vergleichsweise arm an Iodverbindungen sind. Auch Deutschland wird wieder zunehmend zu einem Iodmangelland 2.

Sichtbares Zeichen einer langfristigen Iod-Unterversorgung ist eine vergrößerte Schilddrüse, oft auch als Kropf bezeichnet. Dieses äußere Anzeichen für das Ioddefizit entsteht dadurch, dass die Schilddrüse versucht, die mangelhafte Funktion durch zusätzliches Wachstum auszugleichen. Hierdurch vermehren sich die Schilddrüsenzellen.

Gleichzeitig schüttet die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) vermehrt Hormone aus, welche die Schilddrüse stimulieren. Das führt zu einer Vergrößerung der ohnehin schon übermäßig vorhandenen Zellen.

Das Ziel dieses Wachstums besteht darin, mit dem wenigen verfügbaren Iod möglichst viele Schilddrüsenhormone zu produzieren. Das geht nicht selten über mehrere Jahre gut.

Hält der Iodmangel länger an, hat der Körper irgendwann keine verwertbaren Iodreserven mehr, auf die er zurückgreifen könnte. Letztlich wächst die Schilddrüse so stark, dass sie äußerlich als Kropf sichtbar wird. Bei gesunden Menschen ist sie hingegen nicht zu sehen und kaum zu ertasten.

Der Kropf ist nicht nur ein kosmetisches Problem. In einigen Fällen wird die Schilddrüse so groß, dass sie auf die Luftröhre drückt.

Hieraus resultieren Schluckbeschwerden sowie Atemprobleme bis hin zur Atemnot. Überdies kann der zunehmende Druck auf den Kehlkopf Stimmbandveränderungen und Schwierigkeiten beim Sprechen verursachen.

Neben dem Kropf als sichtbarem Zeichen eines Iodmangels entwickeln sich aufgrund der Unterversorgung auch Schilddrüsenfehlfunktionen. Eine Überfunktion (Hyperthyreose) ist ebenso möglich wie eine Unterfunktion (Hypothyreose).

Als Folge des unkontrollierten Wachstums entstehen innerhalb der Schilddrüse sogenannte heiße und kalte Knoten. Heiße Knoten produzieren bei entsprechender Iodverfügbarkeit übermäßig viele Schilddrüsenhormone. Hieraus resultieren Symptome wie:

  • ungewollte schnelle Gewichtsabnahme,

  • Schlafstörungen,

  • Nervosität,

  • Magen-Darm-Beschwerden,

  • Herzrhythmusstörungen und

  • abnehmende Leistungsfähigkeit.

Kalte Knoten sind nicht in der Lage Schilddrüsenhormone zu bilden, stören aber die ohnehin schon eingeschränkte Funktion des Organs. Typische Anzeichen hierfür sind:

  • unerklärliche Gewichtszunahme,

  • sinkender Blutdruck,

  • verlangsamter Herzschlag,

  • Kälteempfindlichkeit,

  • Verstopfung,

  • Durchblutungsstörungen,

  • Kraftlosigkeit und Muskelkrämpfe,

  • erhöhte Cholesterinwerte,

  • Antriebslosigkeit und

  • ausgeprägte Müdigkeit.

Besonders fatal ist eine Iod-Unterversorgung während der Schwangerschaft. Zum einen steigt das Risiko für eine Fehlgeburt. Zum anderen kommt ein Prozent der Babys von Müttern mit Jodmangel bereits mit einem Kropf zur Welt.

Gleichzeitig unterliegen sie einem erhöhten Risiko für eine Schilddrüsenfehlfunktion, die sie ein Leben lang begleiten wird. Hinzu kommt, dass ein Joddefizit beim Fötus Gedeihstörungen begünstigt.

Wachstumsstörungen und eine verzögerte Lungen- und Knochenreifung können ebenso auftreten wie eine Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung und der Intelligenz. Schlimmstenfalls kommt es zum sogenannten Kretinismus, einer Entwicklungsstörung mit verminderten mentalen Fähigkeiten und zum Teil deutlicher Intelligenzminderung. Häufige Begleitsymptome sind Schwerhörigkeit und Sprachstörungen.

Ausgleichen lässt sich ein akuter Iodmangel am einfachsten über die Ernährung. Die wichtigsten Iodquellen sind Seefische und Meerestiere wie Garnelen und Krabben. Diese sollten sich daher mindestens zweimal wöchentlich auf dem Speiseplan wiederfinden.

Besonders reich an Iod sind Kabeljau, Seelachs und Scholle. Zudem kann die konsequente Verwendung von iodiertem Speisesalz helfen, Defizite auszugleichen.

Fütterungsabhängig können auch Milch und Eier nennenswerte Iodmengen aufweisen. Unter den Gemüsen haben Spinat und Radieschen die Nase vorn. Für Veganer bieten sich außerdem spezielle Algen als Iodquelle an.

Des Weiteren liefern Erdnüsse und Champignons Iod. Diese müssten allerdings in großer Menge verzehrt werden, um allein damit eine ausreichende Zufuhr zu erreichen.

Vitamin D3 ist wichtig für einen gesunden Körper

Was passiert bei einem Iodüberschuss?

Eine zu hohe Iodzufuhr von über einem Milligramm pro Tag kann in eine Iodüberdosierung oder gar in eine Iodvergiftung münden. Die Aufnahme von zwei bis drei Gramm reinen Iods kann sogar tödlich enden.

Über eine normale Ernährung ist ein solcher Iodüberschuss jedoch kaum erreichbar. Eine Überdosierung über Iodsalz ist ebenfalls nicht möglich, da dessen Iodgehalt so gewählt ist, dass auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen kein Gesundheitsrisiko besteht.

Denkbar wäre ein Zuviel an Iod allerdings durch die übermäßige Einnahme iodhaltiger Nahrungsergänzungsmittel, das versehentliche Trinken von Iodtinktur, den Verzehr sehr iodreicher Meeresalgen (z. B. Braunalgen wie Arame, Wakame, Kombu und Hijik) oder den Einsatz iodhaltiger Kontrastmittel für medizinische Untersuchungen.

Erste Symptome für einen Iodüberschuss sind Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und Hautausschläge, die sogenannte Iodakne. Hält die Überversorgung länger an, kommt es zum Brennen und zur bräunlichen Verfärbung der Mund- und Rachenschleimhaut, einem metallischen Geschmack, Kopfschmerzen oder Bindehautentzündungen.

Eine länger andauernde Iodüberversorgung kann diese Folgen haben:

  • Schilddrüsenüberfunktion,

  • Hashimoto-Thyreoiditis,

  • Morbus Basedow,

  • Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschläge oder ein sogenannter Iodschnupfen,

  • Wolff-Chaikoff-Effekt (akuter Ausfall der Iodaufnahme in der Schilddrüse, der zum Teil mit einer Schilddrüsenunterfunktion einhergeht).

Um derartige Folgen zu vermeiden, sollten Iodpräparate ausschließlich nach vorheriger Absprache mit dem Arzt Verwendung finden. Vorsicht geboten ist auch beim Genuss von Algen, da diese je nach Art eine deutlich zu hohe Menge an Iod enthalten können 3.

Treten im Zusammenhang mit Iod Krankheitszeichen wie Schwindel, Erbrechen, Kreislaufzusammenbruch, Bewusstseinsstörungen und Atemnot auf, könnte eine akute Iodvergiftung vorliegen. Diese bedarf einer sofortigen ärztlichen Versorgung, da sie auch tödlich enden kann.

Wann ist eine zusätzliche Iodzufuhr zu empfehlen?

Der beste Weg für eine ausreichende Iodversorgung ist, zum Würzen der Mahlzeiten iodiertes Speisesalz zu verwenden. Bereits ein halber Teelöffel im Tagesverlauf genügt, um einem Iodmangel vorzubeugen. Beim Verdacht auf eine Unterversorgung ist es ratsam, den Iodspiegel durch einen Arzt prüfen zu lassen.

Einige Personengruppen haben einen erhöhten Bedarf an Iod und sollten daher besonders auf eine hinlängliche Iodaufnahme achten. Dazu gehören:

Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann schon eine zusätzliche Iodaufnahme über Tabletten genügen, um ein weiteres Wachstum der Schilddrüse zu verhindern.

Sportlich aktive Personen

Sport regt den Stoffwechsel und die Kalorienzufuhr an und fördert die Muskelbildung. Damit steigt auch der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, zu deren Herstellung der Körper mehr Iod benötigt.

Vegane Ernährung

Vegetarier können ihren Iodbedarf durch den regelmäßigen Konsum von Milch und Milchprodukten sowie Eiern decken. Veganer verzichten hingegen auf alle tierischen Produkte und unterliegen damit einem erhöhten Risiko für einen Iodmangel.

Zudem enthalten manche pflanzlichen Nahrungsmittel sogenannte Goitrogene, welche die Iodaufnahme erschweren.

Nikotingenuss

Rauchen kann einen ohnehin bestehenden Iodmangel zusätzlich verstärken, da Cyanid, ein im Zigarettenrauch enthaltener giftiger Stoff, die Iodaufnahme blockieren.

Vor- und Nachteile iodhaltiger Nahrungsergänzungsmittel

Üblicherweise werden Iodpräparate mit Tagesdosen von 100 bis 200 Mikrogramm angeboten. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollten Nahrungsergänzungsmittel für schwangere und stellenden Frauen maximal 100 bis 150 Milligramm Iod pro Tag enthalten.

Zugelassen in Deutschland und anderen EU-Ländern sind folgende Mineralstoffverbindungen mit dem Spurenelement:

  • Kaliumiodid,

  • Kaliumiodat,

  • Natriumiodid,

  • Natriumiodat.

Je nach Dosis und Empfänglichkeit der einnehmenden Person kann eine Iodüberversorgung zu unterschiedlichsten Krankheitsbildern führen. Daher ist es ratsam, die Verwendung iodhaltiger Supplemente unbedingt mit einem Arzt abzuklären.

Symptome wie Iodallergie, Iodakne oder ein Kropf durch eine Iodüberdosierung tritt in aller Regel nur in Zusammenhang mit iodhaltigen Medikamenten, Kontrastmitteln oder Desinfektionsmitteln auf.

Wann und wie sollten Iodpräparate eingenommen werden?

Wie jedes andere Medikament sollten auch Iodtabletten nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Die genaue Dosis richtet sich nach der individuellen Iodversorgung, die der Mediziner im Rahmen einer Iod-Anamnese feststellt.

Zusätzliche Informationen lassen sich über die Analyse der Iodausscheidung im Urin ermitteln. Da zu viel Iod die Schilddrüse schädigen kann, sollte vor der Einnahme eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Hashimoto-Thyreoiditis und eine Jodallergie ausgeschlossen werden.

Für Schwangere und Stillende empfehlen Ärzte grundsätzlich eine Iodprophylaxe mit Iodtabletten. Das gilt auch für werdende Mütter mit Hashimoto-Thyreoiditis. Zum einen steht das Wohlergehen des Kindes im Vordergrund, bei dem ein Iodmangel zu irreversiblen Hirnschäden führen könnte. Zum anderen sinkt während der Schwangerschaft die Neigung zu Reaktionen der Autoimmunerkrankung. Eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs ist somit unwahrscheinlich.

Einzige Gegenanzeige für die Iod-Supplementierung in der Schwangerschaft und Stillzeit wäre eine bestehende Schilddrüsenüberfunktion. Patientinnen, die darunter leiden, werden jedoch in aller Regel nicht schwanger.

Für eine bessere Verträglichkeit empfiehlt es sich, Iodtabletten oder -kapseln nach einer Mahlzeit mit etwas Flüssigkeit einzunehmen.

Achtung: Die für radioaktive Notfälle vorgesehenen Iodtabletten sind sehr hoch dosiert und eignen sich nicht zur Nahrungsergänzung. Insbesondere bei Personen über 45 Jahren besteht bei unkontrollierter Einnahme Gesundheitsgefahr. Diese von den Katastrophenschutzbehörden verteilten Medikamente dürfen nur nach ausdrücklicher Aufforderung und nur in der durch die Behörde vorgegebenen Menge eingenommen werden.

Quellen

  1. Weikert C, Trefflich I, Menzel J, Obeid R, Longree A, Dierkes J, Meyer K, Herter-Aeberli I, Mai K, Stangl G I, Müller S M, Schwerdtle T, Lampen A, Abraham K. Vitamin and Mineral Status in a Vegan Diet. Deutsches Ärzteblatt International. 2020. 117: 575-582.
  2. Hey I, Thamm M, Thamm R. Monitoring der Jodversorgung bei Kindern und Jugendlichen, Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), Robert Koch-Institut. 2019.
  3. Sushi-Blätter häufig mit Schadstoffen belastet. Auch Jodgehalt oft zu hoch. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 2020.