Die Aminosäure Phenylalanin 

Phenylalanin gehört zu den acht essentiellen Aminosäuren, die der Mensch über die Nahrung aufnehmen muss, weil der Körper sie nicht selbst produzieren kann. Es wird für den Proteinaufbau benötigt und ist außerdem die Vorstufe für zahlreiche Hormone, die verschiedenste Körperfunktionen regulieren.

Phenylalanin existiert in verschiedenen Formen. Die natürliche Form, das L-Phenylalanin, ist in eiweißreicher Nahrung zu finden. Darüber hinaus gibt es das rein künstlich hergestellte D-Phenylalanin und das DL-Phenylalanin, eine Kombination aus den zwei anderen Formen.

Letzteres ist Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln. Allerdings kann der menschliche Körper nur das natürlich vorkommende L-Phenylalanin zur Hormonsynthese und Eiweißproduktion verwenden.

So wirkt L-Phenylalanin im Körper

Produktion von Botenstoffen

L-Phenylalanin ist direkt an der Herstellung der Botenstoffe Dopamin, Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin und Beta-Endorphin beteiligt.

Hierfür ist unter anderem ein biochemischer Prozess in der Leber verantwortlich, mit dem L-Phenylalanin zunächst in L-Tyrosin und dann in Adrenalin und Noradrenalin umgebaut wird.

Zudem kann der Körper die Aminosäure in Phenylethylamin umwandeln, eine im Gehirn vorkommende Substanz, der nachgesagt wird, die Gemütslage verbessern zu können.

Eiweißbildung

Dank ihres aromatischen Rings ist die Aminosäure L-Phenylalanin sehr energiereich. Sie ist Baustein sehr vieler Proteine und in fast allen eiweißhaltigen Lebensmitteln zu finden.

Schmerzlinderung und antidepressive Wirkung

L-Phenylalanin verlangsamt den Abbau von Endorphinen. Dadurch bewirkt es eine erhöhte Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin, der sowohl schmerzlindernd als auch stimmungsaufhellend wirkt.

Pigmentierung

Als Vorläuferstoff des Hautpigments Melanin ist L-Phenylalanin mitverantwortlich für die Haar- und Hautfarbe. Ein Mangel kann zu Pigmentstörungen führen.
Darüber hinaus ist L-Phenylalanin wichtig für:
  • die Gehirnfunktion,
  • den Hormonstoffwechsel und
  • den Stickstoffwechsel.

Anwendungsmöglichkeiten für L-Phenylalanin

In aller Regel wird die Aminosäure in fertigen Mischungen zusammen mit weiteren Aminosäuren in Form von Infusionen oder Sondennahrung verabreicht. Die genaue Zusammensetzung und Dosierung hängt vom individuellen Ernährungsstatus und der Erkrankung des jeweiligen Patienten ab.

Einsatz in Medikamenten

L-Phenylalanin kommt vor allem in Medikamenten zur Anwendung, die das Süßungsmittel Aspartam enthalten, unabhängig von deren genauem Einsatz. Darunter finden sich verschiedenste Brause-, Schmelz- und Kautabletten sowie Säfte und lösliche Granulate zur Behandlung von:
  • Depressionen,
  • Schmerzen,
  • verschiedenen Stoffwechselerkrankungen,
  • Pigmentierungsstörungen und Vitiligo,
  • Menstruationsbeschwerden,
  • Morbus Parkinson und
  • aus Morbus Parkinson resultierender Alzheimer-Demenz.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, vor der Einnahme einen Arzt zu konsultieren.

Alkoholentzugstherapie

Wissenschaftler in Kroatien testeten die Wirkung einer Mischung aus D-Phenylalanin und anderen Aminosäuren bei einer Alkoholentzugstherapie 1. Hierbei stellten die Forscher positive Effekte bei der Testgruppe fest. Die Aminosäure verlangsamte die Inaktivierung von Opioiden, wodurch die Entzugserscheinungen gemildert wurden.

Behandlung von Depressionen

Der Körper bildet aus der Aminosäure Botenstoffe, die stimmungsaufhellend wirken können. Bislang gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, ob die zusätzliche Einnahme synthetisch hergestellten Phenylalanins tatsächlich zur Verbesserung depressiver Verstimmungen führt.

Grundsätzlich gehört die Behandlung einer Depression in die Hände erfahrender Mediziner, weil es hierzu nicht nur einer medikamentösen Therapie, sondern auch einer psychologischen Betreuung bedarf. Behandlungsversuche mit freiverkäuflichen Phenylalanin-haltigen Mitteln sollten nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Symptome eines Phenylalaninmangels

Risikofaktoren für ein Phenylalanindefizit sind körperlicher und psychischer Stress sowie Erkrankungen, insbesondere des Magen-Darm-Traktes. Da die Aminosäure zur Bildung weiterer Aminosäuren und zur Herstellung von Botenstoffen benötigt wird, können die Folgen eines Mangels sehr vielfältig sein.

Folgende Symptome können auf eine Minderversorgung hinweisen:

  • verringerter Appetit bis hin zum völligen Appetitverlust,
  • Pigmentierungsstörungen der Haut mit einer oft erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Sonnenstrahlung,
  • gesteigerte Stressanfälligkeit,
  • erhöhtes Risiko für neurologische Schäden,
  • Verringerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit,
  • Antriebslosigkeit, Motivationsverlust, Energiemangel und Erschöpfung.

Dosierung und Überdosierung

Laut Weltgesundheitsorganisation beträgt der tägliche Phenylalanin-Bedarf von gesunden Erwachsenen rund 14 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht 2. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt sogar 25 Milligramm.

Eine Überversorgung tritt normalerweise nur bei einer Störung des Phenylalanin-Abbaus oder der Umwandlung in andere Substanzen auf. Das ist bei Menschen der Fall, die unter einer Phenylketonurie (PKU), einer angeborenen Erkrankung des Eiweißstoffwechsels, leiden.

Bei ihnen sammelt sich die Aminosäure im Körper an, was unbehandelt schon im frühen Kindesalter zu schweren geistigen und körperlichen Behinderungen führt.

Die Therapie besteht in einer speziellen Diät, die sicherstellt, dass die betroffenen Kinder möglichst wenig L-Phenylalanin über die Nahrung zu sich nehmen. Außerdem benötigen sie bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, die Stoffe ersetzen, die bei gesunden Menschen aus der Aminosäure gebildet würden.

Die Behandlung muss vor Auftreten der ersten Symptome, also in den ersten zwei Lebensmonaten, beginnen, da sich bereits eingetretene Hirnschäden nicht rückgängig machen lassen.

Quellen

  1. Jukic T et al.: The use of a food supplementation with D-phenylalanine, L-glutamine and L-5-hydroxytryptophan in the alleviation of alcohol withdrawal symptoms; Coll Antropol. 2011 Dec; 35(4): 1225-30
  2. Pencharz PB, Hsu JWC, Ball RO. Aromatic amino acid requirements in healthy human subjects. Journal of Nutrition. 2007. 137(6 Suppl 1):1576S-1578S.